Jahr 2026: Weniger Lärm, mehr Klarheit im B2B-Marketing
- Müge Nasuhoğlu

- 6. Jan.
- 3 Min. Lesezeit
Written by: Müge Mücaviroğlu – Founder of Sounds Great Brand Studio
Beim Start in ein neues Jahr haben mich in den letzten Monaten sowohl die Studien, die ich gelesen habe, als auch die weltweiten Entwicklungen und Nachrichten sowie meine direkten Erfahrungen aus der Zusammenarbeit mit B2B-Unternehmen zu einem klaren Gedanken geführt: 2026 wird im digitalen Marketing nicht das Jahr der Lautesten sein, sondern das Jahr der Klar-Denkenden.
Gerade im B2B-Bereich rücken anstelle von „mehr Content“ und „mehr Kanälen“ zunehmend bedeutungsvollere, erklärendere und vertrauensbildende Kommunikation in den Vordergrund.
Im Folgenden möchte ich einige Themen mit Ihnen teilen, deren Bedeutung für B2B-Unternehmen zum Einstieg in das Jahr 2026 aus meiner Sicht weiter zunehmen wird – kombiniert mit meinen eigenen Erfahrungen aus der Praxis.
Das Suchverhalten verändert sich: Inhalte werden nicht mehr nur von Menschen, sondern auch von Künstlicher Intelligenz gelesen
Der erste Schritt im B2B-Kaufprozess ist heute oft kein Verkaufsgespräch mehr.Ingenieur:innen, Einkäufer:innen oder Führungskräfte recherchieren zunächst selbstständig – und das nicht nur über Google, sondern zunehmend auch über KI-gestützte Tools.
Das macht eines deutlich:Unternehmen, deren Websites nach wie vor lediglich kommunizieren „Unser Produkt ist sehr hochwertig“, werden es 2026 noch schwerer haben.
Stattdessen gewinnen an Bedeutung:
erklärende technische Inhalte
klar definierte Einsatzbereiche
ehrliche Darstellungen wie „für wen geeignet / für wen nicht geeignet“
Dabei geht es nicht darum, SEO zu betreiben – sondern verständlich zu sein.
Die Website ist nicht mehr nur eine Visitenkarte, sondern Teil des Verkaufsprozesses
In vielen B2B-Unternehmen wird die Website noch immer als ein Werkzeug betrachtet, das Leads an den Vertrieb weiterreicht.Doch in den letzten Jahren zeigt sich immer deutlicher: Ein großer Teil der Kaufentscheidung wird bereits getroffen, bevor überhaupt ein Kontakt mit dem Vertrieb entsteht.
Deshalb gewinnen 2026 insbesondere folgende Fragen an Bedeutung:
„Welches Produkt passt zu meinem konkreten Problem?“
„Kennt dieses Unternehmen meine Branche wirklich?“
„Wie klar und transparent ist der Angebotsprozess?“
Einfache Produktfindungsprozesse, reduzierte Angebotsformulare und klare Nutzerführung sind scheinbar kleine Details – mit großer Wirkung.
Künstliche Intelligenz ist kein „cooles Tool“, sondern eine Frage der Effizienz
2026 wird der Unterschied zwischen Unternehmen, die KI einsetzen, und jenen, die tatsächlich davon profitieren, noch deutlicher sichtbar werden.
Aus meiner Beratungspraxis sage ich das immer wieder:Künstliche Intelligenz ersetzt nicht – sie beschleunigt.
Sie beschleunigt Entwürfe in der Content-Erstellung
sie fasst Informationen zusammen und priorisiert im CRM
sie liefert erste Antworten auf technische Fragen auf Websites
Doch Expertise bleibt menschlich.B2B-Marken, die dieses Gleichgewicht herstellen, agieren sowohl produktiver als auch konsistenter.
Fokus auf die richtigen Accounts statt auf „alle“
Im B2B-Marketing geht es 2026 weniger darum, alle zu erreichen, sondern die richtigen Unternehmen im richtigen Kontext anzusprechen. Deshalb gewinnt Account-Based Marketing (ABM) weiter an Bedeutung.Dabei ist eines entscheidend: ABM ist nicht nur gezielte Werbung – sondern das Zusammenspiel von Intent, Content und Vertriebsnachverfolgung.
Wenige, aber relevante Zielunternehmen, klare Botschaften und ein gemeinsamer Blick von Marketing und Vertrieb auf dieselben Kennzahlen machen hier den Unterschied.
Gerade für Unternehmen mit hoher Wertschöpfung zeigt dieser Ansatz besonders nachhaltige Ergebnisse.
Vertrauen ist die wichtigste Währung im Jahr 2026
B2B-Kaufentscheidungen sind immer mit Risiko verbunden.Deshalb wird es 2026 weniger darum gehen, wie „gut“ sich Marken darstellen – sondern darum, wie sichtbar sie ihr tatsächliches Wissen machen. Kurze Videos, technische Einblicke, Testprozesse, Praxiserfahrungen – Perfektion ist nicht notwendig, Authentizität schon.
Besonders auf Plattformen wie LinkedIn bauen Marken mit einer menschlichen Stimme, einem Gesicht und offener Wissensvermittlung deutlich leichter Vertrauen auf.
Daten, Datenschutz und Transparenz werden stärker diskutiert
Cookies, Targeting-Methoden, Datennutzung – auch wenn diese Themen technisch wirken, beeinflussen sie Marketing direkt.
Deshalb empfehle ich Unternehmen zum Start in 2026:
die eigenen Daten (First-Party Data) gezielt zu stärken
über Formulare, Newsletter und technische Inhalte vertrauensvoll Daten zu sammeln
statt in „Wir können nicht alles messen“-Panik zu verfallen, sich auf sinnvolle Kennzahlen zu konzentrieren
Es geht nicht darum, alles zu wissen – sondern das Richtige zu beobachten.
Nachhaltigkeit: Nicht Rhetorik, sondern Klarheit
Nachhaltigkeit bleibt auch 2026 ein zentrales Marketingthema – doch der Ton verändert sich.
Statt großer Versprechen überzeugen zunehmend:
transparente Prozessbeschreibungen
kleine, aber konkrete Maßnahmen
das, was tatsächlich umgesetzt wird
B2B-Käufer interessieren sich weniger für das Wort „grün“ als für die Fragen:Was wird gemacht – und wie wird es gemacht?
Der gemeinsame Nenner, den ich für das B2B-Marketing im Jahr 2026 sehe, ist klar:weniger Lärm, mehr Klarheit. Eine Kommunikation, in der Marken offen zeigen,was sie tun, für wen sie da sind, worin ihre Stärken liegen – und wo ihre Grenzen. Klarheit ist auch heute noch eines der stärksten Marketinginstrumente. Und auch in diesem Jahr werden wir sehen:Unternehmen, die wissen, was sie tun, dies offen teilen und Vertrauen in den Mittelpunkt stellen, gewinnen langfristig.




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